20th European Masters Athletics Championships Stadia – July 27 – August 6 2017

Der Start bei einem internationalen Leichtathletikevent war ein lang gehegter Traum, der sich bisher auf Grund der persönlichen Leistungen nicht ergeben hatte. Es war ja schon schwer genug überhaupt die Qualifikation für die normalen Deutschen Meisterschaften zu erreichen, was mir auch nur einmal 2008 gelang und bis dato mein persönlich größter Erfolg war.

Wenn man 35 Jahre alt wird, ist auf einmal alles anders. Die Senioren-Altersklasse beginnt ja in Deutschland schon mit der AK30, aber hier git es eben nur die Thüringer Meisterschaften mit dieser Wertungsklasse. Nationale und sogar Internationale Events beginnen erst mit einem Alter von 35 Jahren. Auf einmal eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, aber die Sache hat einen Haken: es gibt natürlich keine Sportförderung mehr. Was auch logisch erscheint. Es ist eben eine Form von Sport-Tourismus: Man muss eben nur selber für die Kosten aufkommen und kann dafür aber relativ leicht an Events wie Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften (für Senioren) teilnehmen. Alles eine Frage von Geld und Zeit. Die Anfangshöhe von 1,60m in Aarhus hätte für mich jedenfalls keine Herausforderung dargestellt.

Die Teilnehmerliste zeigt die dennoch hohe Leistungsdichte im Bereich meiner persönlichen Saisonbestleistung. Lediglich der Spanier mit einer gemeldeten Höhe von 2,15m ragt etwas heraus.

Die Anreise begann am Donnerstag den 03.08.2017 und erstreckte sich über den gesamten Tag. Es sind eben auch 770 Kilometer von Ilmenau nach Aarhus. Zudem wird einem einiges an Baustellen auf der Strecke geboten. Stop and Go sind also vorprogrammiert. Das Hotel entschädigte dafür ungemein und sicherte einen erholsamen Schlaf.

Wettkampftag

Die Akkreditierung musste bis 9:00 Uhr im Stadion durchgeführt werden. Bis zum Wettkampf um 13:00 Uhr war dann noch genug Zeit, Zeit für ein Frühstück. Vor allem der Kaffee ist ja immer ein Ritual und absolute Notwendigkeit. Wetter war so naja. Durchwachsen, stark wechselhaft und windig, ab und zu heftiger Regen. Dann auch mal wieder kurz Sonne. Regen stört mich persönlich nicht so, aber der Wind kann einem ganz schön den Anlauf versauen. Aber naja, so weit ist es ja noch nicht. Für die Erwärmung stand eine kleine Leichtathletikhalle zur Verfügung. Da war es schon mal gut was los, auch wenn es auf dem Foto nicht so danach aussieht.

Dann 40min vorher war Callroom-Zeit. Alle treffen sich zum ersten Mal und sagen Hallo. Immer etwas komisch. Wir kannten uns alle nicht, anders als bei den normalen Wettkämpfen wo ich starte, da kennt man sich schon seit Jahren. Die allgemeine Nervositätskurve steigt dabei immer an. Dann ging es ins Stadion. Wettercheck. Für den Moment ok. Die anderen vor uns waren noch nicht fertig, wir mussten warten.

Dann Ging es los. Einspringen, natürlich erst mal bei eigentlich viel zu niedrigen Höhen. Keiner traut sich die Latte hoch zu legen, der Respekt ist groß. Alle wissen, dass wir nahezu einen Leistungslevel haben. Keine möchte schon zeigen was er drauf hat, oder eben nicht. Dann werden die Anfangshöhen bekannt gegeben. Es gab nur eine kurze Ansprache, wir waren ja etwas im Verzug.

Es sind nahezu alle bei der gleichen Höhe eingestiegen. Keiner wollte was riskieren. Wann schwächelt der Erste. Ich muss sagen, ich kam gut in den Wettkampf. 1,75m, 1,80m und 1,85m waren locker und sicher. Das ging nicht allen so. Bei 1,85m wechselte das Wetter in heftige Böen und es regnete. Das Kampfgericht war sich unsicher ob unterbrochen werden sollte oder nicht. Ich hätte unterbrochen, die Bedingungen für den polnischen Springer war extrem schlecht, er hat entsprechend auch Probleme gehabt. Aber so ist es eben, es ist ein Outdoor-Sport und es kann eben immer jeden gleichermaßen treffen. Ich hatte Glück, der Regen hatte aufgehört als ich dran war. Allerdings wehte der Wind die Latte runter, als ich schon zum Anlaufen bereit stand. Ich bekam neue 60 Sekunden. Ich konnte die 1,85m aber gut meistern, trotzdem der kurzen Irritation. Erleichterung. Ich war gut dabei. zu diesem Zeitpunkt komplett sauber ohne Fehlversuch.

Die nächste Sprunghöhe war 1,90m. Es hätte einen neuen Landesrekord für Thüringen in der AK35 bedeutet. Den Alten halte ich mit 1,89m von der Deutschen Seniorenmeisterschaft in Zittau. Es wäre zudem Freiluft-Saissonbestleistung gewesen. Es wäre die Höhe gewesen, die ich mir minimal vorgenommen hatte. Ich habe sie nicht geschafft. Ich weiss nicht was der Fehler war. Ich würde es mal so zusammenfassen: Der Kopf war dran Schuld. Mein finnischer Mitstreiter hat es schön zusammengefasst, er sagt übersetzt „Der Körper hat an dem Tag gerufen: Ich kann mehr!“. Aber wir konnten es dennoch nicht abrufen. Er und ich haben uns beide den 4. Platz geteilt und es ging uns beiden ähnlich. Wir hatten bis zur 1,90m keinen Fehlversuch, dann ging nichts mehr. Die Enttäuschung bei uns beiden große. Freude bei den beiden anderen Springern. Ich muss dazu sagen, dass ich wirklich sympathische Menschen kennen gelernt habe und ich hatte mich wie bei einem Mehrkampf gefühlt. Alle kämpften irgendwie gegen die Höhe, nicht gegeneinander. Das ist nicht immer so. Die Stimmung war gut, auch wenn ich nach meinem für mich persönlich desaströsen Wettkampfende wirklich schlechte Laune schob. Ich war sauer, enttäuscht, verzweifelt. Konnte nicht fassen, dass es so endete. So plötzlich. Im Kopf: „Aber ich wollte doch … aber ich kann doch …“. Aus und vorbei! da kann man bocken und zicken wie man möchte, ich war ausgeschieden. Lern damit zu leben! Punkt! Es war wie als alles wie in einem Film ablief und man selber schaut hilflos zu. Dieses Gefühl hatte ich sehr lange nicht mehr. Es erinnerte mich an dem Länderkampf in Baunatal als ich in der Thüringenauswahl startete. Da ging es mir genau so. 1,85m danach Feierabend. Letzter platz und keine Punkte für das Team und das obwohl ich in der Saison schon 2,00m gesprungen war. Das war im Jahr 2000 (MJA bzw. U20), lange her und plötzlich wieder voll da. Fast 17 Jahre später.

Nagut, dann schauen wir uns eben noch die AK40 an, welche direkt im Anschluss dran war. Vielleicht muntert mich das ja wieder auf. Einspringen lief gut für die Deutschen. Drei Teilnehmer waren dabei, einer davon Michael Stephan, ein alter Bekannter, da er auch aus Thüringen kommt. Ein anderer war Daniel Klaus, wir kannten uns seit den Deutschen Seniorenmeisterschaften in Zittau. Ein sehr sympathischer typ auch, er hatte mir schon vor dem Wettkampf viel Erfolg gewünscht. Leider zeigte sich bei 1,80m ein ähnliches Bild wie bei der 1,90 in der AK35. Diese Höhe wurde zur Schallmauer und nur einer konnte sie durchbrechen. Der Schwede Ola Carlsson sprang bei den wohl denkbar schlechtesten Bedingungen, aber dafür mit mega Stimmung, zu einer herausragenden Höhe von 1,96m. Hut aber für diese tolle und sympathische Leistung.

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